Flüchtige Begegnung Untersuchungen über die Spuren des Gesichtes in der Erinnerung
Meine Untersuchungen zum menschlichen Gesicht begannen 2005. Nach Jahren der Arbeit über die Welt der Dinge fülle ich diffuse, leere Räume mit einem menschlichen Gesicht: "Trasformazione di Donna: Eli / Anja". Die Fotomontagen entstehen in der Dunkelkammer und werden als Großdruck zusammen mit Skulpturen im Projekt Nachricht von nebenan www.messagefromnextdoor.com realisiert. Das angedeutete Gesicht einer Frau ändert seinen Ausdruck mit der wechselnden Textur des Hintergrundes- wie sich unser Gesicht in verschiedenen Situationen verändert. Es bleibt fragmentarisch, scheint aufzutauchen oder zu verschwinden – wie in einer Erinnerung.
Die Arbeit "an der Erinnerung" selbst beginnt 2006: ich suche nach Darstellungsmöglichkeiten für das menschliche Gesicht, wie es in meiner Erinnerung erscheint. Erinnern ist keine reale Abbildung, heißt Unschärfe, Fragment, Reduzierung, Vermischung mit Träumen und Imaginationen: Wie ist dieses Vorhaben mit Fotografie realisieren, wo doch Erinnerung nicht außerhalb von mir existiert? Läßt sich Wirklichkeit so einfangen, dass sie Erinnerungs- assoziationen entspricht?
Im Lauf der folgenden Jahre entsteht eine Reihe von Fotoserien, in denen ich nicht auf das Mittel der Montage zurückgreife : "Short Stories" 2007-2008 ist das Spiel von Realität und Trugbild: Durch Spiegelung, Verzerrung, Lichtreflexe werden Beziehungen zwischen Menschen geschaffen, die so in der Realität nicht existieren. Die Arbeit ist im Format 75x100 cm auf Aluminum Dibond gedruckt bzw. auf Hahnemühle Papier FineArt. In dieselbe Richtung geht die Serie "Irrgarten" und "Watching Fellow Travellers" ( Ende 2008 ) - Realität und Täuschung vermischen sich in der Fotografie, aus realen Situationen werden Traumbilder, unser Gedächtnis formt Gesehenes zu neuen phantastischen Bildern um.
In Arbeit ist die Serie "Flüchtigen Begegnungen" von 2008: Was bleibt von der flüchtigen Begegnung mit einem Menschen in meiner Erinnerung- wie ist das fotografisch darstellbar? Ich halte mich dazu an Orten auf, an denen viele Menschen in großer Eile an mir vorübergehen - bisher in Pisa, Hamburg, Berlin. Wichtiges Kriterium für eine Auswahl aus vielen Fotos ist die Unschärfe, der verwischte Eindruck des Gesichtes, der trotzdem noch Freiraum lässt für Imagination und Emotion. Diese Arbeit steht am Anfang, ich möchte sie 2009 an weiteren Orten in europäischen Städten fortsetzen. Die fertigen "flüchtigen Begegnungen" sollen in kleinem Format aber großer Menge als Raumfries oder als multiples Objekt realisiert werden.
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